
"Ich wünsche mir vom Weihnachtsmann eine große Ritterburg. Da kann ich dann mit den Rittern spielen. Einen Drachen möchte ich auch dazu, der Feuer spucken kann. Da können die Ritter dann die Menschen retten. Vielleicht bringt mir der Weihnachtsmann auch eine Rennbahn. Bestimmt bringt er die, dann kann ich mit den Autos spielen und sie ganz schnell rumsausen lassen. Das wäre toll." Zugegeben, die Wünsche unserer Kinder sind oft nicht bescheiden. Im Kern dieser Wünsche sind aber fast immer kommunikative Elemente enthalten. Ritter spielen macht mit Freunden oder den Eltern zusammen mehr Spaß. Und eine Rennbahn eignet sich ebenso dazu, Kontakte zu knüpfen. Die Rennbahn eröffnet für das Kind aber auch eine Möglichkeit für eine Art Wettbewerb gegen sich selbst: Schaffe ich es, den Flitzer noch schneller oder weiter fahren zu lassen? Es öffnen sich so also Räume für eine Vielzahl an Möglichkeiten zum Experimentieren und sich selbst ausprobieren. Was sich Kinder also vom Weihnachtsmann wünschen ist im Grunde kein Spielzeug - sie wünschen sich Aufmerksamkeit, Zeit mit Freunden, mit den Eltern. Kinder glauben auf eine besondere Art an den Weihnachtsmann. Bei uns Erwachsenen kommen diese Wünsche oft völlig anders an. Wir glauben eben nicht an den Weihnachtsmann. Dennoch glauben aber eigentlich alle an irgendetwas. Denn glauben setzt zwar nicht zwingend Wissen voraus, allerdings braucht es ein großes Maß an Vertrauen, um glauben zu können. Glauben heißt zunächst einmal Vertrauen zu haben. Von einem solchen Glauben reden Erwachsene pausenlos: Vom Glauben an den Euro, dem Glauben an das Wirtschaftssystem oder einfach nur dem Vertrauen in andere Menschen. Damit ist gemeint, dass Menschen allgemein darauf vertrauen, dass das Verhalten von Dingen oder Menschen eine gewisse Beständigkeit hat. Gerade bei Menschen vertrauen wir auf deren Identität und Authentizität. Leben wäre anders gar nicht möglich. Das Wünschen von Erwachsenen weist damit einen großen Unterschied zum Wünschen von Kindern auf. Marius Müller Westernhagen hat das in seinem Lied "Freiheit" einmal auf den Punkt gebracht: "Der Mensch ist leider nicht naiv, der Mensch ist leider primitiv." Erwachsene glauben an Mechanismen. Kinder glauben an das Wünschen selbst, an Kommunikation und an die Möglichkeit, Dinge zu verändern, zu verbessern. Erwachsene vertrauen lieber darauf, dass andere schon etwas tun werden oder dass Geld einen Wert besitzt, mit dem etwas bewegt werden kann. Erwachsene glauben an Mittler, nicht an die Kraft des eigenen Wünschen. Risiken gehen Erwachsene eben nicht gerne ein. Wünsche, miteinander reden oder Veränderungen sind in dieser Form zumindest eine schwierige Übung. Erwachsene glauben nicht an den Weihnachtsmann. Vielleicht sollten aber einige wieder beginnen wie Kinder an den Weihnachtsmann zu glauben. Ich denke, dadurch wäre vielleicht einiges möglich, was hier und heute aus einem Mangel an Menschlichkeit unmöglich erscheint. Liebe Grüße, Andreas Berneck
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