
| Mit Kinderaugen entdecken: Eurokrise |
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Die Spannung stieg, als eines der Kinder auf der Insel einen alten Piratenschatz fand. Zwar wusste zunĂ€chst niemand, was man mit den ganzen Sachen darin anfangen sollte, aber nach und nach wurden zuerst die Muscheln, dann Felle, Salz und am Ende Geld als Tauschmittel eingefĂŒhrt. Alles schien in bester Ordnung. Jedes Kind hatte zuerst eine bestimmte Menge Geld und einen eigenen Marktstand. Es wurde gekauft und verkauft. Doch plötzlich schauten sich alle nur noch an. Das Geld war verschwunden. Die Ursache dafĂŒr war schnell gefunden. âDer Peter spielt gar nicht richtig mit. Der muss auch bei uns einkaufen, oder?â Andreas Berneck, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von entdex, lĂ€chelt. Zusammen mit den SchĂŒlern einer kleinen privaten Grundschule in ThĂŒringen hat er in den letzten Tagen entdeckt, welchen Wert bestimmte Dinge fĂŒr sie wirklich haben. Die Rollenspiele haben gezeigt, dass Wirtschaft, Geld und soziale Verantwortung zusammenhĂ€ngen. Die kleine Inselwelt wurde fĂŒr die kleinen Helden zu einer spannenden Wirklichkeit. Und jetzt werden die Kinder in ihrer selbst gemachten Fantasiewelt von einem Problem eingeholt, dass momentan aktueller nicht sein könnte. Der Markt kommt zum Stillstand, weil die einen nicht mehr einkaufen können und andere keinen Sinn mehr darin sehen, einkaufen zu gehen. Das war nicht böse gemeint, brachte aber das ganze Spiel aus dem Gleichgewicht. Da nĂ€mlich alle anderen weiterhin bei Peter einkauften, landete nach und nach alles Geld bei ihm. Was nun? Sofort wurden Lösungen gesucht und ausprobiert. Die Idee, einfach neues Geld ins Spiel zu bringen, halten zunĂ€chst alle fĂŒr das Beste. Es klingt auch zu verlockend: Alle haben wieder Geld und können einkaufen. Da jetzt auch alle Kinder wieder einkauften, schien alles gut. Allerdings wurde auch allen schnell bewusst, dass jetzt mehr Geld vorhanden ist. âDer Peter kauft uns alles weg. Das ist unfair.â Diese Erkenntnis fĂŒhrte kurz darauf dazu, dass alle die Preise erhöhten. Das Wort Inflation kannten die Kinder nicht, sie erlebten danach aber, was es bedeutet. Viele hatten schon nach kurzer Zeit wieder kein Geld mehr. Nur Peter hatte weiterhin scheinbar Geld im Ăberfluss. Doch nach kurzer Zeit klagte auch er: âIch weiĂ gar nicht, was ich noch kaufen soll.â Und tatsĂ€chlich. An manchen MarktstĂ€nden gab es nichts mehr zu kaufen. Und Peter hatte sich schon alle WĂŒnsche erfĂŒllt. Der Vorschlag, einfach nochmal neues Geld in Umlauf zu bringen, wurde von den Kindern abgelehnt. âDann kriegt der Peter ja noch mehrâ, glaubten nicht wenige der Kinder zu wissen. FĂŒr Peter hingegen stand fest, dass er fĂŒr das neue Geld ja âsowieso nichts kaufen könnteâ und er fĂŒgte hinzu: âUnd auĂerdem habe ich gar keine Lust, noch mehr Sachen zu kaufen.â Andere dachten auch daran, dass die Sachen dann ja noch teurer werden und sie dann fĂŒr ihr Geld noch weniger kaufen könnten. Zudem mĂŒssten sie die meisten Sachen sowieso bei Peter kaufen. Das Spiel der Kinder war an seine Grenzen gestoĂen. FĂŒr die Kinder ist eine solche Projektwoche mit entdex eine Möglichkeit fĂŒr wichtige und nachhaltige Bildungserfahrungen. Dabei werden die Beobachtungen auch genutzt, um den PĂ€dagogen vor Ort, aber auch den Eltern die Parallelen der Kindererfahrungen zu den ZusammenhĂ€ngen in der Erwachsenenwelt aufzuzeigen. Alle Erwachsenen bekommen dabei eine Ahnung davon, dass die Lösungen der Kinder auch die Chance bieten, Handlungsalternativen fĂŒr die echte Erwachsenenwelt zu entdecken. Der Bezug zwischen den Erlebnissen ihrer Kinder und den momentanen Problemen der Weltwirtschaft war fĂŒr die beteiligten Erwachsenen mehr als deutlich vorhanden â und damit verbunden die Frage âWarum können die entscheidenden Leute in Politik und Wirtschaft einen Zusammenhang nicht erkennen, den sogar unsere Kinder durchschauen.â Auf diese Fragen können natĂŒrlich die Projekte von entdex ebenfalls keine Antworten liefern. Die Frage, wie diese AnsĂ€tze und die begeisterten Kinder an zukĂŒnftigen VerĂ€nderungen beteiligt werden, könnte jedoch entscheidend dafĂŒr sein, unser aller Denken und Handeln nachhaltiger zu gestalten. |